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Prognose: Schmerzmedizinisches Versorgungsdefizit wird weiter massiv wachsen
Berlin, 26. Juni 2026. Das Missverhältnis zwischen Behandlungsbedarf und der tatsächlichen Patientenversorgung besteht in der Schmerzmedizin seit langen Jahren und wird in den nächsten Jahren weiter massiv ansteigen, so die Prognose des Berufsverbands der Ärzte und Psychologischen Psychotherapeuten in der Schmerz- und Palliativmedizin in Deutschland e.V. (BVSD). „Durch die letzten beiden Klinikreformen drohen etablierte stationäre schmerzmedizinische Einrichtungen wegzufallen, weil für die Schmerzmedizin im Gesetz keine eigene Leistungsgruppe vorgesehen wurde. Statt bestehende Versorgungslücken zu schließen und die qualifizierte Schmerzmedizin zu stärken, drohen die Krankenhausreformen nun zu einer massiven Gefahr für die Versorgung von Patienten mit schweren chronischen Schmerzen zu werden“, erklärte Prof. Dr. Dr. Joachim Nadstawek, BVSD-Vorsitzender. Der aktuelle Sparkurs der Regierungskoalition gefährde zudem noch die ambulante schmerzmedizinische Versorgung. Statt deren Planungssicherheit und Ausbau zu fördern, würden sich Schmerzmediziner mit Deckelungen und Leistungskürzungen konfrontiert sehen, sollten die GKV-Reformpläne wie geplant umgesetzt werden.
Nadstawek weiter: „Schmerz ist keine bloße Begleitsymptomatik. Wenn der Schmerz seine Warnfunktion verliert, wird er zu einer eigenständigen, zermürbenden Krankheit. Er raubt den Schlaf, zerstört soziale Kontakte, vernichtet Existenzen und führt nicht selten in die soziale Isolation.“
Der BVSD fordert deshalb im laufenden parlamentarischen Prozesse des GKV-Spargesetztes Maßnahmen zur Sicherstellung der schmerzmedizinischen Versorgung. Ein Fünf-Punkte Plan soll die schmerzmedizinische Versorgung stärken:
- Anerkennung der Schmerzmedizin als Leistungsgruppe
Die Schmerzmedizin müsse sofort als eigenständige Leistungsgruppe fest in der Krankenhausplanung verankert werden. Es brauche klare rechtliche und finanzielle Grundlagen, um die interdisziplinäre Behandlung zu sichern.
- Sicherung der ambulanten Strukturen
GKV-Sparmaßnahmen dürften nicht auf dem Rücken chronisch kranker Menschen ausgetragen werden. Eine qualifizierte ambulante schmerzmedizinische Versorgung erfordere zeitintensive und multiprofessionelle Betreuung, die auch entsprechend vergütet werden müsse. Ein Schutzraum für die Schmerzmedizin müsse dringend installiert werden.
- Flächendeckender Ausbau
Es benötige eine wohnortnahe, interdisziplinäre Behandlungsangebote, damit Menschen mit chronischen Schmerzen nicht mehr jahrelang durch das Raster fielen und durch das Land reisen müssten. Die Versorgung der Betroffenen würde keinen Aufschub dulden. Es brauche jetzt einen entschlossenen politischen Willen, um die Versorgungslücken zu schließen und den betroffenen Menschen ihre Lebensqualität zurückzugeben.
- Förderung der Zusatzweiterbildung Spezielle Schmerztherapie
Um den dringend benötigten schmerzmedizinischen Nachwuchs zu unterstützen, sei eine verlässliche und bundesweite Weiterbildungsförderung der Zusatzweiterbildung Spezielle Schmerztherapie nötig.
- Einführung einer schmerzmedizinischen Bedarfsplanung
Die Unterversorgung der Schmerzmedizin sei evident, so der BVSD. Es fehle an qualifizierten Schmerzmedizinern. Es existiere kein Facharzt für Schmerzmedizin und keine schmerzmedizinische Bedarfsplanung. Der Bedarf an zusätzlichen Schmerzmedizinern sei sehr hoch. Nicht nur um die Versorgungslücke zu schließen, sondern auch um den dringend benötigten Nachwuchs zu gewinnen. Deshalb sei die zeitnahe Einführung einer schmerzmedizinischen Bedarfsplanung notwendig.
In Deutschland leben aktuell rund 4,8 Millionen Patienten mit schweren chronischen Schmerzen. Nur etwa jeder elfte Patient mit chronischen Schmerzen kann von einem der 1428 ambulant tätigen Schmerzärzte versorgt werden. Zwischen den ersten Symptomen einer chronischen Schmerzerkrankung und dem Beginn von qualifizierten schmerzmedizinischen Maßnahmen liegen im Bundesdurchschnitt rund 3,5 Jahre.
